Die Nachtigall singt in der Stadt

Diese verrückte Zeit hält uns in Atem und die Atemschutzmaske lässt meine Brille beschlagen beim Einkauf im Supermarkt. Ich frage mich tatsächlich, wie wir diese Zeit später unseren Enkelkindern erklären und was wir darüber berichten werden.

Dann denke ich sofort zurück, wie es damals war 1989, als wir schon einmal Geschichte geschrieben haben. Was fühle ich, wenn ich jetzt zurück denke? Viele Dinge habe ich sicher verdrängt und mit denen muss sich nun mein Seelenvogel tief in mir herumärgern.

Nur einmal kam alles wieder hoch, ganz unverhofft beim Besuch der Gedenkstätte in der Lindenstraße in Potsdam. Völlig entspannt betrat ich mit meinem (holländischen) Mann das Haus. Ich wollte ihm alles erklären und ihn teilhaben lassen, an meiner erlebten Geschichte.

Doch was dann passierte war unglaublich- mein Seelenvogel schickte mir nach und nach Erinnerungen und mein Herz schlug heftiger als wir in einem Raum ankamen mit Fotos aus der damaligen Zeit. Und jene Tage wurden wieder präsent und nicht geahnte Gefühle kamen hoch und es entstand in mir ein Gefühlschaos der Extraklasse. Tränen und Wut und Sehnsucht und Erinnerungen und Trauer, denn mitten in dieser Stadt waren damals Menschen eingesperrt und niemand hat es gewusst. Ich konnte mir nur noch ein paar Zellen ansehen in diesem riesigen Trakt und dann musste ich dieses Haus schnell verlassen. Die Zeit hatte mich für einen Moment eingeholt und längst Verdrängtes, aufgestautes Unbekanntes aus meiner Seele hervor gekramt und ich kämpfte am Ausgang mit den Tränen.

Wovon werden wir also reden, wenn wir auf 2020 zurückblicken? Welche Gefühle werden wir empfinden? Die „Corona Zeit“ wird uns alle prägen, denn unser „normales“ Leben wird auf den Prüfstand gestellt. Es konnte nicht ewig so weiter gehen. „Schneller –Höher-Weiter“ und „Geld regiert die Welt“ und nicht zuletzt die Zerstörung der Mutter Erde.

mutter erde

Wir haben diese Chance bekommen, um alles in Frage zu stellen, zu hinterfragen und ich bin gespannt, was jeder Einzelne daraus macht. Der wirtschaftliche Schaden ist ja heute noch nicht abzusehen und die einzelnen Schicksale, die damit einhergehen. Nichts ist sicher und für die Ewigkeit. Daher wünsche ich mir, dass jeder Einzelne diese Krise für sich meistern kann und es schafft, die Kraft zu finden, seinen Weg neu zu definieren. Es heißt nun, die positiven Eigenschaften und Empfindungen bei sich und anderen zu fördern, anstatt die schwachen zu betonen. Ziele müssen neu gesteckt werden und man muss neue Wege finden, um seinen Seelenvogel in positiven Emotionen tanzen zu lassen und die Nachtigall singt in der Stadt….

2 Gedanken zu „Die Nachtigall singt in der Stadt

  1. Renate Wahrenburg Antworten

    Das ist sehr schön geschrieben. Was hinterlassen wir, beschäftigt mich auch. Ebenso, wie die jungen Menschen, die ins Leben starten müssen, das jetzt schaffen sollen.
    Viele müssen sich erkämpfen, was ihnen zusteht.
    Aber: sie wachsen hoffentlich an der Situation.
    Allen wünsche ich, dass sie es irgendwie, hoffentlich gut überstehen und anderen vielleicht helfen können. Herzliche Grüsse!

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